Karriere in den Ordenswerken: Vom Zivi zum Geschäftsleiter

In der modernen Arbeitswelt werden geradlinige Karrieren, bei denen man sich nach oben arbeitet, immer seltener. Gerade vor diesem Hintergrund ist es für Arbeitnehmer/-innen wichtig zu wissen, dass sie im eigenen Unternehmen attraktive Aufstiegschancen haben.

Bei einem unserer letzten Besuche in der Laufer Mühle in diesem Sommer haben wir nicht nur eine großartige und interessante Führung durch die Sozialen Betriebe erhalten, sondern auch ein sehr spannendes Gespräch mit dem dortigen Geschäftsleiter G. M. geführt, der auf eine ebensolche Karriere in den Ordenswerken zurückblicken kann…

Wie sind Sie zur Laufer Mühle gekommen?
Im Frühjahr 1994 bekam ich die Anerkennung, dass ich den Wehrdienst mit der Waffe verweigern darf. Ich bin gebürtiger Adelsdorfer, daher kannte ich die Laufer Mühle seit ihren Anfangszeiten. Ich habe mich dort beworben und habe die Stelle als Zivildienstleistender bekommen. Meine Aufgaben waren damals im Fahrdienst, d.h. Arztfahrten mit Bewohnern/-innen durchführen, Begleitung der Bewohner/-innen auf Ämter sowie Einkäufe für die Arbeitstherapie und die Hauswirtschaft durchführen.

Aufgrund meiner Ausbildung als Metallbauer konnte ich diese Fähigkeiten schon während des Zivildienstes in die Einrichtung einbringen. Hier war die Zusammenarbeit mit den Bewohnern von Anfang an gegeben. Ich merkte, dass mir die Arbeit liegt und mir das Arbeiten mit den Bewohnern enorm Spaß macht.
Nach Ende des Zivildienstes hat mir die Leitung der Einrichtung einen Arbeitsplatz angeboten. Meine Aufgabe nach dem Zivildienst bestand darin, einen Arbeitstherapieplatz Metall aufzubauen und somit Perspektiven für das Klientel in der Laufer Mühle zu schaffen.

Was hat Sie dazu bewegt, das zu tun, was Sie heute tun?
Diese Antwort habe ich jetzt eigentlich in der vorherigen Frage mitbeantwortet. Mich hat eben bewegt, mit den Bewohnern zu arbeiten. Es war und ist heute noch interessant, wenn Bewohner neue Fähigkeiten erlernen, bzw. alte auffrischen und wieder erlernen können. Diese Entwicklung sowie die soziale Entwicklung während der Therapie motiviert mich bis heute immer wieder aufs Neue.

Wie war Ihr Weg bis zu dem Zeitpunkt heute? Welche Schritte haben Sie durchlaufen?
Wie bereits erzählt, habe ich als Zivildienstleistender in der Laufer Mühle angefangen. Im Mai 1995 wurde ich als Arbeitstherapieanleiter Metallwerkstatt angestellt; die Aufgabe beinhaltete den Aufbau des gesamten Arbeitstherapiebereichs; im Jahr 2000 folgte dann die Beförderung zum Bereichsleiter für die gesamte Arbeitstherapie der Laufer Mühle. Ein Jahr später schloss ich meine parallel zur Arbeit begonnene Ausbildung zum Metallbaumeister bei der Handwerkskammer erfolgreich ab.

In den beiden darauffolgenden Jahren galt es die Umzüge des Arbeitsbereiches Metall vom Stammsitz der Laufer Mühle zuerst nach Adelsdorf und dann nach Höchstadt zu organisieren. Dabei vergrößerten sich die Räumlichkeiten von 50 m² über 350 m² auf 600 m²; die Anzahl der Arbeitstherapieplätze stieg von zwei über acht auf 14 an. Bedingt durch die Erweiterung ging der von mir verantwortete Bereich von „Arbeitstherapie stationär“ in die „Sozialen Betriebe der Laufer Mühle gGmbH“ über. Seitdem können Bewohner nach erfolgreicher Therapie bei uns weiter Verantwortung übernehmen und einen sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplatz erlangen. Die ersten beiden Bewohner wurden im Jahr 2002 angestellt.

Damals startete auch unsere Zusammenarbeit mit der Industrie. In den Folgejahren nahmen wir verschiedene Dienstleistungen wie Metallsägerei, Kartonagen und Verpackung in unser Angebot auf und integrierten diese in die sozialen Betriebe. Derzeit arbeiten in diesen drei Sparten der Sozialen Betrieben 20 ehemalige Bewohner und Langzeitarbeitslose, die hier einen sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplatz ausüben. Natürlich ging unserer Angebotserweiterung ein weiterer Ausbau an Räumlichkeiten und Lagerhallen voraus.

Ja, und seit 2014 bin ich als Geschäftsleiter der Sozialen Betriebe der Laufer Mühle gGmbH tätig.

Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus?
• Beginn um 7:30 Uhr. Gesamte Organisation meiner Arbeitsbereiche.
• Einteilung der Bewohner, Ansprechpartner für sämtliche Arbeitsangelegenheiten meiner zu betreuten Klienten und Mitarbeiter
• Mitwirkung bei Zielgesprächen, Krisengesprächen, Entwicklungsgesprächen.
• Arbeitsbesprechungen, Teambesprechungen.
• Rücksprache und ständige Absprachen, Neuerungen, Probleme mit Kunden
• Angebote für neue Dienstleistungen erstellen, somit Perspektiven für Bewohner erstellen.
• Gesamte Organisation von A-Z für ca. 50 Personen (Mitarbeiter, Klienten, und anvertraute Personen)

Welche Schwierigkeiten gilt es zu meistern?
Als wir vor 15 Jahren mit den Dienstleistungen für die Industrie eingestiegen sind, hat man uns als soziale Einrichtung gesehen und auch so wahrgenommen. Wir bekamen Aufgaben zugeteilt, die für unsere Klienten gut waren, hier haben diese einen Platz gefunden, an dem sie sich einbringen konnten, an dem sie Selbstvertrauen tanken konnten, ja an dem sie sogar wieder einen sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplatz erlangen konnten.
Heute sieht es so aus, dass wir als Zulieferer der Industrie genauso behandelt werden wie jeder andere auch. Der soziale Auftrag, den wir ausführen, wird vom Kunden her überhaupt nicht mehr berücksichtigt und mitgetragen; so müssen wir uns beispielsweise einer Lieferantbewertung stellen, wie jeder andere auch. Werden die Punkte nicht erreicht, gilt es, Maßnahmen zu ergreifen, die kurz-, mittel- und langfristig umgesetzt werden müssen.
Aufgrund unserer Erfahrung ist es gelungen, all diese Herausforderungen zu stemmen und unserem sozialen Auftrag treu zu bleiben. Wir bauen zum Beispiel Zwischenschritte ein, die es uns ermöglichen, die an uns gestellten Anforderungen zu stemmen. Trotz unseres Klientel, dass fast ausschließlich aus Hilfskräften besteht, gelingt hier ein fast reibungsloser Ablauf.

Was würden Sie heute Ihrem jüngeren Selbst empfehlen?
Dass es darum geht, nicht sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen, sondern die Arbeit für den Klienten so zu organisieren, dass dieser sich weiterentwickeln kann und unabhängiger, mit weniger Hilfe durchs Leben gehen kann.
Unser Auftrag ist es, den uns anvertrauten Menschen zu begleiten, zu fördern aber auch zu fordern. Diese Lebenserfahrung muss man erst selbst sammeln; danach sollte diese ausnahmslos an unsere Betreuten weitergeben werden.

Was gefällt Ihnen bei den Ordenswerken als Arbeitgeber?
Dass man sich hier verwirklichen kann. Speziell in meiner Einrichtung konnte ich mich als Zivi einbringen und bis hin zum Mitarbeiter in der Geschäftsleitung hocharbeiten. Mann kann seine Ideen einbringen und diese, in Zusammenarbeit mit unseren Klienten ausprobieren und verwirklichen.
Als christlich engagierter Mensch ist mir natürlich das spirituelle Programm unserer Einrichtung und unseres Trägers enorm wichtig.

Was würden Sie einem Bewerber/einer Bewerberin sagen, der/die sich für den Deutschen Orden als Arbeitgeber und die Laufer Mühle als Einsatzort interessiert?
Hier werden Menschen als Mitarbeiter gesucht, die mit offenen Augen durch den Alltag gehen. Man muss die Arbeit sehen und diese dann engagiert umsetzten. Wenn man diese Fähigkeiten besitzt ist man genau hier richtig. Von diesem Engagement, von dieser Vorbildfunktion leben unsere Bewohner/-innen, genau das sehen sie an dir und genau das bringt sie dann auch weiter. Wenn du diese Fähigkeiten besitzt, dann kannst du dich hier verwirklichen und in einem engagierten Team mitwirken.

Wir wünschen Ihnen weiterhin viel Freude in Ihrer Tätigkeit und bedanken uns für das Interview!

 

Ihnen gefällt der Artikel! Dann einfach mit Freunden und Bekannten teilen 😉

Teile uns auf TwitterTeile uns auf FacebookTeile uns auf GooglePlusTeile uns auf PinterestTeile uns auf Linkedin

Deine Meinung

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.