Man sieht sich immer zwei Mal im Leben

Zum Ex-Arbeitgeber zurückkehren? Für die einen undenkbar, andere haben genau das gemacht. So wie B. C. (38), der sich im Interview unseren Fragen gestellt hat.

B. C. hat das Haus Maria Helferin nach achtjähriger Tätigkeit im Jahr 2011 verlassen, um seinen nächsten Karriereschritt bei einem anderen Träger zu machen. Nach mehreren Jahren ist er im September wieder in die Nettetaler Einrichtung zurückgekehrt. Im Gespräch erzählt er, welche Faktoren für eben diese beiden Entscheidungen eine entscheidende Rolle gespielt haben und wie er seine Rückkehr ins Haus Maria Helferin sieht…

 

Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus?

Ich bin im Wohnbereich 4 tätig, das ist ein Wohnbereich mit sehr pflegeintensiven Bewohnern/-innen. Zurzeit haben wir neun Bewohner/-innen, die in der körperlichen Versorgung und ihrer Alltagsgestaltung auf intensive Assistenz bzw. stellvertretende Ausführung angewiesen sind. Ich arbeite in einem Team von insgesamt 8 Mitarbeiterinnen (ich bin der einzige Mann).

Meine Aufgaben sind so unterschiedlich wie die Bedürfnisse oder Herausforderungen unserer Bewohner/-innen:

  • Im Frühdienst (5.30 – 10.00 Uhr) geht es in der Regel um die pflegerische Versorgung der Bewohner/-innen, um sie dann entweder in die Werkstätten oder in den hauseigenen Tagesstrukturierenden Bereich zu entlassen.
  • Im Spätdienst (15.00 – 21.00 Uhr) dreht sich dann alles um die einzelnen Bedürfnisse der Bewohner/-innen, wenngleich diese oftmals von uns Mitarbeitenden beobachtet bzw. gedeutet werden müssen, da sich unsere Bewohner/-innen sprachlich nicht ausdrücken können. Teilweise ist es ihnen aber möglich, durch Gesten oder Lautieren zu zeigen, was sie möchten. Und auch hier sind die Bedürfnisse so unterschiedlich wie die Bewohner/-innen… Der eine möchte im Zimmer seine Lieblingsmusik hören, während die Andere lieber auf dem Sofa entspannt oder ein Bad nimmt.
  • An den Wochenenden sieht der Ablauf ein wenig anders aus, da die Bewohner/-innen zum Teil ausschlafen, entsprechend später gepflegt werden und später essen, oder von ihren Angehörigen besucht oder abgeholt werden. Normales Wochenendleben eben….

Langweilig wird es so eigentlich nie.

 

Was hat Sie dazu bewegt, das zu tun, was Sie heute tun?

Oweia, da muss ich etwas ausholen…

Ich bin der Älteste von insgesamt 9 Geschwistern. Um mit den Klischees aufzuräumen: Ja wir können alle sprechen. / Nein, wir haben keine Doppelnamen und wir heißen nicht wie eine bekannte RTL 2 Großfamilie. Zwischen mir und meinem jüngsten Bruder liegen knapp 19 Jahre. Meine Eltern, meine Mutter ist Krankenschwester, mein Vater Familientherapeut, haben immer beide in Vollzeit gearbeitet und so habe ich schon früh viel Verantwortung für meine Geschwister und auch deren Erziehung übernommen. (Heute sind alle Geschwister im sozialen Bereich tätig.)

Seinerzeit war für mich klar, ich möchte mit Kindern und Jugendlichen arbeiten und habe nach meiner Mittleren Reife die Ausbildung zum Erzieher begonnen. Der Bereich der Behindertenhilfe war da für mich noch sehr fern.

Nach meinem Abschluss und Fachabitur habe ich dann meinen Zivildienst in der ambulanten Pflege abgeleistet und bin dort zum ersten Mal mit alten, kranken und behinderten Menschen in Kontakt gekommen. Das war für mich die Initialzündung, die mich nach dem Zivildienst dazu bewogen hat in einem Altenheim im Sozialen Dienst und dort vornehmlich mit dementiell veränderten Menschen zu arbeiten. Diese Tätigkeit hat mir sehr viel Freude bereitet.

Nach knapp zwei Jahren habe ich dann ein Studium der Sozialen Arbeit begonnen und nur noch an den Wochenenden im Altenheim gearbeitet.

 

Wie sind Sie zum Haus Maria Helferin gekommen?

Der damalige Beginn meiner Tätigkeit im Haus Maria Helferin war wirklich absoluter Zufall.

Im Jahr 2003 hatte ich, wie schon erwähnt, ein Studium der Sozialen Arbeit begonnen und recht schnell für mich erkannt, dass ich nicht für den Hörsaal gemacht bin, sondern das Bedürfnis habe mit Menschen zu arbeiten. Seinerzeit hatte ich keine genaue Idee, in welche Richtung es gehen sollte. Ich hatte in meiner Ausbildung zum Erzieher den Kindergarten- und Kinderheimalltag und im anschließenden Zivildienst den ambulanten und stationären Pflegebereich kennengelernt und konnte mir vorstellen, in jedem dieser Bereiche erneut wieder tätig zu werden.

Mein damaliger Blick ins Internet und die Stellenausschreibungen auf den Seiten des Arbeitsamts haben mich dann in das Haus Maria Helferin und somit in die Behindertenhilfe geführt.

Diesen Bereich kannte ich noch gar nicht, wenngleich ich in der stationären Altenpflege seinerzeit mit vorwiegend dementiell veränderten Menschen gearbeitet habe. Das fand ich spannend. Ich habe damals angerufen, einen Termin für ein Bewerbungsgespräch erhalten, durfte im Anschluss im Wohnbereich 4 Probearbeiten und zum 1. Dezember 2003 dort beginnen.

Auf Wohnbereich 4 habe ich zunächst 2 Jahre gearbeitet und in dieser Zeit auch schon im Qualitätsmanagement mitgearbeitet. Ende 2005 wurde mir dann die Teamleitung des Kinder- und Jugendwohnbereichs angetragen, den ich bis zu meinem Wechsel im Jahr 2013 geleitet habe.

 

Sie waren schon einmal im Haus Maria Helferin tätig und sind jetzt nach sechs Jahren wieder zurückgekehrt. Was hatte Sie damals bewegt, zu gehen?

Damals wollte ich nach acht Jahren Behindertenhilfe noch mal über den eigenen Tellerrand blicken und schauen, was es sonst noch zu entdecken gibt. Mir ging es darum, meine beruflichen Fähigkeiten auszuloten.

Da unser Wohnbereich mehrfach vom Thema Tod und Trauer betroffen gewesen war und wir Mitarbeiter nie so recht gewusst hatten, wie wir bei dem Thema mit unseren Jugendlichen umgehen sollten, machte ich – neben meiner Tätigkeit im Haus Maria Helferin – eine Weiterbildung im Bereich der Trauerarbeit mit Kindern und Jugendlichen, Diese Weiterbildung zum Trauerberater für Kinder, Jugendliche, Erwachsene und Menschen mit einer kognitiven Einschränkung bedeutete mir damals sehr viel.

Tja und dann kam es, wie es halt kommen muss, wenn man einmal über den Tellerrand geschaut hat und andere Menschen aus ganz anderen Arbeitsbereichen kennengelernt hat: Ich bekam ein verlockendes Stellenangebot im stationären Hospiz in Erkelenz, das auf der Suche nach einem Mitarbeiter für den neu aufzubauenden Psycho-Sozialen Dienst war. Die Anforderungen an die Stelle damals waren eine Ausbildung im sozialen Bereich sowie Erfahrung mit schwerstpflegebedürftigen Menschen und Weiterbildungen im hospizlichen und palliativen Bereich.

Aufgrund meiner Vorerfahrungen hatte ich das Stellenangebot erhalten… und so bin ich gewechselt, wenngleich mir der Abschied vom Haus Maria Helferin wirklich schwer gefallen ist.

Glücklicherweise bin ich die letzten 6 Jahre immer noch mit dem Haus und den Kollegen/-innen in Kontakt geblieben, da ich die ehrenamtliche gesetzliche Betreuung einer Hausbewohnerin übernommen habe.

 

Was hat Sie jetzt bewegt, wieder zurückzukehren?

Ehrlich gesagt: Heimweh… Heimweh nach der Arbeit mit den Bewohnern/-innen und den Kollegen/-innen, dem Haus und seinem ganz eignen Charme.

Ich will nicht sagen, dass meine Tätigkeit im Hospiz schlecht war. Ganz im Gegenteil. Ich habe viele tolle Erfahrungen sammeln können, die mich auch persönlich weitergebracht haben. Doch leider entsprach meine Tätigkeit mittlerweile nicht mehr der, für die ich vor sechs Jahren gewechselt bin.

Damals habe ich sehr intensiv mit den Bewohnern/-innen des Hospizes und deren Angehörigen gearbeitet, sie im Sterben und in der Trauer begleiten dürfen. Ein absolutes Privileg! Ich habe viel Öffentlichkeitsarbeit gemacht, Vorträge gehalten, von unserer Arbeit berichtet, Spendenaktionen organisiert, Kinder und Jugendliche an die Themen Sterben, Tod und Trauer herangeführt. Ich habe mich in vielen Bereichen weiterqualifizieren dürfen. Das alles war wirklich klasse und hat eine Menge Freude bereitet – auch wenn es um das Thema Tod ging. Wichtig für mich war: Ich konnte mit den Menschen arbeiten!

Dann hat man mir im vergangenen Jahr die Leitung des Hospizes mit insgesamt 26 festangestellten Mitarbeitern/-innen angetragen. Ich habe damals zugesagt, wenngleich ich die Konsequenzen verkannt habe: Kaum noch Kontakt zu den Bewohnern/-innen und Angehörigen, viel mehr bürokratische Vorgaben, Schriftverkehr, Kontakt zu Aufsichtsbehörden und vieles mehr. Kurzum, ich habe wesentlich mehr Zeit an Schreibtisch und PC verbracht als am Menschen. Jetzt habe ich bei Vorträgen davon erzählt, was wir alles im Hospiz leisten… jedoch leider nichts mehr davon selber umsetzten können.

Und auch hier gab es für mich eine Initialzündung, die meinen Wechsel zurück ins Haus Maria Helferin eingeläutet hat. Diesmal eine dreitägige Weiterbildung im Zentrum für Palliativmedizin in Bonn zum Thema „Palliative Versorgung in Einrichtungen der Behindertenhilfe“. Während dieser drei Tage habe ich für mich deutlich erkennen können, wie sehr ich dem Thema Behindertenhilfe noch verbunden war und wie viel Spaß die Arbeit damals mir gemacht hat.

Um es auf den Punkt zu bringen: Nach knapp neun Monaten in meiner neuen Tätigkeit als Leitung war mir klar geworden, dass mich dieser Job in dieser Form nicht zufrieden macht.

Arbeit muss nicht immer glücklich machen, aber zufrieden sollte man schon sein. Diese Erkenntnis ist auch eine Auswirkung der Arbeit mit Sterbenden. Man sollte die Zeit genießen, die man jetzt hat und nicht darauf warten, dass irgendwann alles besser wird.

Somit habe ich für mich entschieden, wieder in den Bereich der Behindertenhilfe zurückzukehren. Das Haus Maria Helferin war hier meine erste Option.

Und dann habe ich es genauso gemacht wie damals. Ich habe erst einmal angerufen…

Was soll ich noch sagen: Heute bin ich wieder hier.

 

Haben sich Ihnen durch die „Auszeit“ neue Perspektiven auf Ihre Tätigkeit im Haus Maria Helferin eröffnet?

Neue und alte.

Neue Aspekte ganz klar dadurch, dass ich im palliativen und hospizlichen Bereich tätig gewesen bin und im Haus Maria Helferin viele dieser Erfahrungen und Ideen einbringen kann, wenn es darum geht, dass unsere Bewohner/-innen im Alter, in Krankheit und im Sterben zu Hause – sprich im Haus Maria Helferin – bleiben und adäquat versorgt werden können. Hier, so glaube ich, könnte ein Aufgabenschwerpunkt in den kommenden Jahren liegen.

Alte Perspektiven ganz klar deswegen, weil wir ganz nah an den Menschen dran sind, genau beobachten müssen, was, wie, wann gebraucht wird.

Das ist für uns Arbeitsalltag. Gleichzeitig ist es jedoch viel mehr, denn das genaue Hinschauen auf die Bedürfnisse, Wünsche, Abneigungen oder gar Ängste unserer Bewohner/-innen ist unglaublich wichtig und wertvoll. Das hat für mich etwas mit der Haltung der Einrichtung, aber auch der Haltung der Mitarbeiter zu tun.

Andere Einrichtungen, gerade in der Pflege, sind da leider noch lange nicht soweit.

 

Hatten Sie anfangs Bedenken, sich wieder bei Ihrem „ehemaligen“ Arbeitgeber zu bewerben?

Nein. Ich bin damals im Guten gegangen, habe Kontakt gehalten und bin mit offenen Armen wieder aufgenommen worden.

 

Was würden Sie heute – bezüglich dieser Entscheidungen – Ihrem jüngeren Selbst empfehlen?

Puh… meinem jüngeren Selbst würde ich empfehlen, alles noch einmal genauso zu machen.

Ich bin der Überzeugung, dass uns nur der Blick über den Tellerrand weiterbringen kann und uns erkennen lässt, was wir können und was wir nicht können, was wir brauchen und was wir nicht brauchen, was wir schätzen sollten und was nicht.

Ohne den damaligen Wechsel hätte ich viele Dinge nicht kennenlernen und nicht erkennen können, wo ich offensichtlich hingehöre

 

Was gefällt Ihnen bei den Ordenswerken als Arbeitgeber?

Zum einen die Vielfältigkeit der beruflichen Möglichkeiten innerhalb der Ordenswerke; zum anderen auch die Grundhaltung bzw. der Auftrag des Unternehmens.

Helfen und Heilen – Die Chancen der Gegenwart ergreifen um Zukunft zu gestalten.

Das ist es, was gerade auch für mich im Umgang mit unseren Bewohnen zählt, heute zu schauen, was die Bewohner benötigen, um so gut und so selbstbestimmt wie möglich in Zukunft leben zu können.

 

Was würden Sie einem Bewerber/einer Bewerberin sagen, der/die sich für den Deutschen Orden als Arbeitgeber und das Haus Maria Helferin als Einsatzort interessiert?

Ich würde ihm erzählen, was das Haus Maria Helferin für mich ausmacht: Hier herrscht eine sehr familiäre Atmosphäre, jeder Bewohner kennt jeden Mitarbeiter und umgekehrt, die Kollegen/-innen kennen sich untereinander und unterstützen sich gegenseitig.

Diese Nähe untereinander macht eine Menge aus. Nicht ohne Grund gibt es Kollegen/-innen, die seit gut 40 Jahren im Haus Maria Helferin tätig sind.

Was besonders hervorzuheben wäre: Das hohe Maß an Engagement aller Kollegen/-innen bei besonderen Aktionen. Hier z.B. der Martinsmarkt, bei dem alle Mitarbeiter/-innen des Hauses mit anpacken – während des Festes ebenso wie davor und danach.

 

Gemeinsam mit dem Haus Maria Helferin freuen wir uns über Ihre Rückkehr und wünschen Ihnen alles alles Gute in Ihrem neuen-alten Job! Danke für das Interview!

 

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