Rente oder Arbeitsmarkt? Grenzen und Chancen der medizinischen Rehabilitation Drogenabhängiger.

Tagungsbericht zur zweiten Jahrestagung der Rheinischen Fachkliniken des Deutschen Ordens

Die Jahrestagung mit dem Thema „Rente oder Arbeitsmarkt? Grenzen und Chancen der medizinischen Rehabilitation Drogenabhängiger“ fand am 27. März 2014 im Veranstaltungssaal des Hauses St. Josef in Düsseldorf statt. Wie bereits im letzten Jahr handelte es sich um eine Kooperationsveranstaltung der Rheinischen Fachkliniken des Deutschen Ordens, namentlich der Fachklinik Schloss Bornheim, Suchthilfezentrum Bonn (Adaption), Schlossparkklinik Bergisch Gladbach und der Schwarzbachklinik Ratingen. Zu dieser Jahrestagung, die sich an Fachkräfte der ambulanten und stationären Suchthilfe und weitere interessierte Suchtfachkräfte anderer Einrichtungen richtete, konnten wir bundesweit nahezu 100 Teilnehmer und Teilnehmerinnen begrüßen.

Ziel der Jahrestagung 2014 war, mit Unterstützung ausgewiesener Experten einen aktuellen Überblick über die Grenzen und Chancen der medizinischen Rehabilitation Drogenabhängiger sowie über die Anforderungen der Leistungsträger an eine arbeitsmarktorientierte Gestaltung stationärer Entwöhnungs- und Adaptionsbehandlung aufzuzeigen. In Vorträgen, die sich aus unterschiedlichen Perspektiven der Thematik annäherten, sowie daran anschließenden Diskussionen mit den Tagungsteilnehmer wurde die Bedeutung der Jobcenter bei der Vermittlung Drogenabhängiger in den Arbeitsmarkt beleuchtet.

Die Ausgangssituation auf das zentrale Thema der Tagung lässt sich wie folgt beschreiben:

Bei der medizinischen Rehabilitation Drogenabhängiger gelten die Wiederherstellung der Erwerbsfähigkeit und die berufliche Integration der Rehabilitanden als besonders große Herausforderungen: Neben den körperlichen und mentalen Folgeschäden, die durch den Konsum von Suchtmitteln entstanden sind, stellen fehlende Berufsabschlüsse, jahrelange Arbeitslosigkeit sowie Einträge im Vorstrafenregister zusätzliche Eingliederungshemmnisse dar. Die Bewältigung dieser besonderen beruflichen Problemlagen ist eine zentrale Aufgabe für Rehabilitanden und Leistungserbringer, da eine geregelte Arbeit als wesentlicher Stabilitätsfaktor für eine abstinente Lebensführung belegt ist. Auch die Rentenversicherungsträger streben mit dem Konzept einer medizinisch-beruflich orientierten Rehabilitation eine Verbesserung der Erwerbsfähigkeit mit dem Ziel an, den Anforderungen am Arbeitsplatz nachhaltig gerecht werden zu können.

Tagungsablauf:

Für die Jahrestagung konnten exzellente Dozenten gewonnen werden. Nach einer herzlichen Begrüßung durch Andreas Reimer (Medizinischer Leiter DO-Suchthilfe) und einer Vorstellung des Würzburger Screenings sowie den damit in den Rehabilitationseinrichtungen der Ordenswerke gemachten Erfahrungen hielt Prof. Dr. Robert Frietsch (Hochschule Koblenz) den ersten Vortrag der Veranstaltung: „Zur Symbiose von Sucht & Arbeit – Arbeitsmarktintegration durch verbessertes Schnittstellenmanagement“ (vortrag-frietsch-1; vortrag-frietsch-2) gab zunächst einen guten Überblick über die Ausgangslage.

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Prof. Frietsch betonte die Wichtigkeit der beruflichen und sozialen Integration als ein wesentliches Merkmal der sozialen Identität des Menschen. Daher sei die Integration auch ein zentrales Ziel der medizinischen Rehabilitation Suchtkranker. Erwerbstätigkeit wurde hier als Basis der Integration bezeichnet und trage nachweislich zum Rehabilitationserfolg bei, stabilisiere und vermeide somit auch Rückfälle. Allerdings wies Prof. Frietsch darauf hin, dass sich für Suchtkranke ein Teufelskreis beziehungsweise eine Symbiose abzeichne. Die Chancen auf Wiedereingliederung seien geringer als die der übrigen Arbeitslosen, da diese durch ihren Gesundheitszustand, Arbeitslosigkeit und drohende Verarmung mehrfach belastet seien. Zudem betonte er, dass bis zu einem Viertel der Arbeitssuchenden erhebliche Probleme mit Suchtmitteln hätten. Arbeitsmarktintegration sei ein zentrales Ziel der Rehabilitation suchtkranker Menschen und rechtzeitige Arbeitsmarktintegration immer auch suchtpräventiv wirksam. In der Folge stellte Prof. Frietsch auch die Wichtigkeit eines Schnittstellenmanagements und Kooperationen zwischen der Suchtkrankenhilfe und den Jobcentern beziehungsweise den Agenturen für Arbeit heraus.

 

Als zweiter Redner sprach Wolf Schier, Geschäftsführer der Rheinischen Arbeitsgemeinschaft, über die „Eingliederung in das Erwerbsleben – Leistungen der gesetzlichen Rentenversicherung“.

2014-suchttagung-30Wolf Schier stellte eindrücklich dar, welche Möglichkeiten der gesetzliche Rentenversicherer hat, den Versicherten bei der Wiedereingliederung auf den Arbeitsmarkt zu unterstützen und welche Grenzen seitens des Versicherers bestehen.

Im Anschluss wurde die Gelegenheit zu einer sehr lebhaften Diskussion genutzt.

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Im Rahmen der Mittagspause hatten die Tagungsteilnehmer nicht nur die Möglichkeit, sich am reichhaltigen Buffet für das Nachmittagsprogramm zu stärken; vielmehr noch standen persönlicher Austausch und Networking auf dem Plan. Darüber hinaus konnten Interessierte  fachspezifische Literatur an dem Stand eines wissenschaftlichen Buchhandels erwerben.

 

Im Anschluss an die Mittagspause hatte Dr. Andreas Koch, Geschäftsführer des Bundesverbands für stationäre Suchtkrankenhilfe, das Wort. Sein Thema: „Medizinisch-beruflich orientierte Reha (MBOR) – In der Suchttherapie schon Standard oder noch Herausforderung?“.

2014-suchttagung-38Betont wurden unter anderem die lange Tradition der Arbeitstherapie in der Suchtbehandlung und der hohe Stellenwert von arbeitsbezogenen Maßnahmen in den Therapiekonzepten. Dr. Koch gab einen ausführlichen Überblick über die Berufsorientierung und Arbeitsmarktintegration vor, während und nach der Rehabilitation. Zudem wurden Erfolgsindikatoren der Reha wie Abstinenz und Arbeitsmarktintegration, aber auch der Kosten-Nutzen-Faktor einer Rehabilitationsmaßnahme lebhaft diskutiert.

 

Als vierter und letzter Redner hatte Reinhard Wojan in seiner Funktion als Bereichsleiter des Jobcenters Dortmund das Wort. Bei seinem Thema handelte es sich um „Drogensucht und Arbeitsmarkt – Gedanken zur Schnittmenge aus Sicht eines Jobcenters“ (vortrag-wojan).

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Reinhard Wojan stellte zunächst das Jobcenter Dortmund vor, das – nach dem Jobcenter Köln – als das zweitgrößte in Nordrhein-Westfalen gilt. Dort wird ein hoher Anteil an Personen betreut, die auf Grund struktureller Rahmenbedingungen seit Jahrzehnten Sozialleistungen beziehen. Dementsprechend hoch ist auch der Anteil an Personen mit einer Suchterkrankung. Im Gegensatz zu anderen Jobcentern gibt es in Dortmund eine Besonderheit: Rund 20 Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter sind als kommunal finanzierte Fachleute in das Team der Arbeitsvermittler und Fallmanager integriert. Somit können Suchtkranke frühzeitig und einzelfallbezogen beraten und in eine adäquate Maßnahme vermittelt werden.

Auch an diesen Vortrag schloss sich eine überaus aufschlussreiche Diskussionsrunde an, die gleichzeitig das Ende des Vortragsteils markierte.

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Nach der Verabschiedung der Dozenten und einer Danksagung an die Helfer und das gesamte Veranstalterteam hatten die Teilnehmer noch die Möglichkeit, mit den Veranstaltern in den Dialog einzutreten und an einem Hausrundgang durch die Schwarzbachklinik teilzunehmen. Hierfür war eigens ein Busshuttle Düsseldorf – Ratingen bereitgestellt worden.

Im Rahmen einer während der Fachtagung durchgeführten Evaluation konnte eine sehr hohe Zufriedenheit bei den Teilnehmern in allen Bereichen festgestellt werden. Wir können damit auf eine sehr gelungene und qualitativ äußerst hochwertige Jahrestagung der Rheinischen Kliniken des Deutschen Ordens zurückblicken. Die dritte Jahrestagung für das Jahr 2015 ist bereits in der Vorbereitung, denn wie heißt es so passend: Nach der Jahrestagung ist vor der Jahrestagung!

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Ein Kommentar bisher - Was sagst du?

  1. Mitarbeiter said:

    Die bisherigen Veranstaltungen waren echt interessant, bin auf die in 2015 gespannt.

    18. Dezember 2014

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